42 min

Brexit: Warum Großbritannien so schlecht verhandelt

Dezember 04, 2017

In Folge 2 von Y Politik werfen wir einen Blick auf die Verhandlungskompetenzen von Großbritannien während der Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union. Dafür teilen wir das Thema in zwei Perspektiven:

  • zum einen geht es um die harten Faktoren, den Verhandlungsprozess und die Rahmenbedingungen;
  • zum anderen um die weichen Faktoren, die Inhalte und das Verhalten.

In unserer Zugabe empfehlen wir euch zwei Podcasts: einer, der sich sehr intensiv mit den aktuellen Entwicklungen des Brexits auseinandersetzt und einer, der euch im Verhandeln schult.


Dieser Artikel bietet nur eine Zusammenfassung. Die vollständigen Argumente hörst du in der Podcast-Folge: hier im Player oder direkt auf Spotify, iTunes oder Stitcher.


Brexit-Verhandlungen: Was bisher geschah

Die Brexit-Verhandlungen nähern sich der Halbzeit des zweijährigen Zeitraums und viele Knackpunkte sind noch offen. Beispielsweise ist unklar, wie mit den Bürgerrechten der gut 3 Millionen EU-BürgerInnen umgegangen werden soll, die im Vereinigten Königreich leben. Ein zweites großes Thema ist das liebe Geld und die Frage, wie viel UK der Europäischen Union noch schuldet. Im Gespräch ist ein Betrag zwischen 24 und 65 Milliarden Euro. Drittens ist umstritten, wie man mit der Grenze zwischen Nordirland und Irland umgehen soll. Diese wäre nach dem Ausscheiden von UK die einzige Landgrenze zwischen der EU und Großbritannien.

Harte Faktoren: Wer, wo und wann UK schlecht verhandelt

Für die Rahmenbedingungen einer Verhandlungen gelten drei goldene Regeln für die Fragen, wer wo und wann miteinander verhandelt. Erstens sollte man über das zu verhandelnde Thema genau Bescheid wissen. UK hat jedoch weniger Expertise z.B. in der Wirtschafts- und Handelspolitik, weil die in den letzten Jahren vor allem von europäischer Eben aus gemacht wurde.

Zweitens ist es immer besser, wenn man in gewohntem Terrain verhandelt und die Umgebung kennt, damit man sich entsprechend verhalten kann. Die britische Regierung verhandelt in Brüssel und hat in der Presse ein sehr schlechtes Bild abgegeben als sie scheinbar ohne Unterlagen unvorbereitet am Verhandlungstisch saßen (Das besprochenen Foto der unvorbereiteten britischen Verhandlungsführer in Brüssel).

Drittens sollte man immer die Person sein, die die meiste Zeit mitbringt, denn Zeitdruck ist ein Mittel, um das rationale Denken der Verhandlungspartner außer Kraft zu setzen. Zwar haben beide Seiten die gleiche Deadline, die Briten hätten jedoch mehr zu verlieren, wenn sie diese Deadline nicht einhalten würden. Die britischen Verhandlungsführer haben daher bei allen drei Grundregeln, was die Rahmenbedingungen angeht, die schlechtere Verhandlungsposition.


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Weiche Faktoren: Warum UK schlecht aufgestellt ist

Für die weichen Faktoren gelten ebenso Grundregeln, die eine gute Verhandlung ausmachen. Auf der einen Seite sollte man bei Verhandlungen, in denen die Öffentlichkeit eingebunden ist, Versprechen nur geben, wenn man sie auch einigermaßen halten kann. Auf der anderen Seite ist es unerlässlich ein kompetentes Team zusammenzustellen. Großbritannien hat bei beiden Ausgangsfaktoren den Kürzeren gezogen.

Die Pro-Brexit-Kampagne und später die britische Regierung hat ihren Wählern sehr viele Dinge versprochen, die sie nicht wird halten können. Durch dieses schlechte Erwartungsmanagement gerät vor allem Theresa May mehr und mehr unter Druck. Was die Verhandlungsteams angeht, ist die EU wesentliche kompetenter aufgestellt als UK. Das Vereinigte Königreich hat auf der Führungsebene eine zerstrittene Regierung, die durch die Verhandlungen leiten soll und auch die britische Verwaltung hat weniger Experten vorzuweisen als die EU mit ihrer Kommission.

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Zugabe

“Brexit means…”

Ein wöchentlicher Podcast auf Englisch zu den aktuellen Entwicklungen in den Brexit-Verhandlungen von The Guardian. Zum Brexit means…-Podcast.

“Abenteuer Verhandeln”

Ein Podcast mit zwölf Folgen zum Thema Verhandeln von Expertin Petra Schächtele. Zum Abenteuer Verhandeln-Podcast.

Show Notes

  • 02:10

    Phänomen: Die Brexit-Verhandlungen zwischen UK und der EU

  • 13:21

    Harte Faktoren: Der Verhandlungsprozess und die Rahmenbedingungen

  • 25:55

    Weiche Faktoren: Die Inhalte und das Verhalten

  • 35:05

    Fazit: Die großen Unterschiede zwischen UK und EU

  • 37:06

    Abstimmung: Wie gut sind die Verhandlungskompetenzen von UK?

  • 38:39

    Zugabe: Zwei Podcasts zum Vertiefen

 

 

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